• Artists of the Year

Artists of the Year 2021

© A Gentil Carioca – Maxwell Alexandre, Conny Maier – Courtesy of König Galerie, Zhang Xu Zhan – Courtesy Project Fulfil Artspace

Die Auszeichnung „Künstler des Jahres“ wird auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council vergeben, dem die renommierten Kuratoren Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.

Mit der Auszeichnung erhält der KünstlerIn eine Einzelausstellung im PalaisPopulaire in Berlin und einen die Ausstellung begleitenden Katalog.

Maxwell Alexandre

Der 30-jährige Maxwell Alexandre wurde in Rocinha, Rio de Janeiros größter Favela, geboren, wo er heute noch lebt und arbeitet. Seine Gemälde, Performances und Installationen sind vom Alltag in Rocinha inspiriert, kreisen um Rassismus und Polizeigewalt, Gemeinschaft und Spiritualität. Immer wieder tauchen Referenzen an Ikonen der schwarzen Kultur auf, Jean-Michel Basquiat, Nina Simone oder James Brown. Zugleich ist Alexandres künstlerische Praxis stark von den Ideen der evangelikalen Kirche geprägt, der er heute nicht mehr angehört. Alexandre, der aus der Skater-Szene kommt, hat mit Freunden A Noiva, eine Art Künstlerkirche gegründet, die ihre eigenen Platten herausbringt, Kunstwerke als Gebete und das Studio als Tempel betrachtet. In Brasilien ist er bereits ein Star.

Maxwell Alexandre Video

Conny Maier

Auch die in Berlin geborene Conny Maier, die in ihrer Heimatstadt und im portugiesischen Baleal arbeitet, ist ein Phänomen. Im Laufe der letzten Jahre hat die gelernte Modedesignerin, die ein Modelabel gründete, als Malerin für Furore gesorgt. Die kreisrund zum Schrei geöffneten Münder ihrer Figuren sind zu einer Art Markenzeichen geworden. In Maiers Gemälden verbinden sich neo-expressiver Ausdruck mit einem ausgeprägten Gespür für Farbe und Komposition. Dabei steht in ihren eindrücklichen Werkzyklen die existenzielle Wechselbeziehung zwischen Mensch und der in einer Vielfalt von Tieren personifizierten Natur im Zentrum.

Conny Maier Video

Zhang Xu Zhan

Zhang Xu Zhan wurde 1988 als Sohn einer Familie geboren, die seit Jahrhunderten mit traditionellen Papierfiguren handelt, die in Taiwan bei rituellen Zeremonien oder Beerdigungen genutzt werden. Mit dieser Tradition beschäftigt er sich in seinen Animationsfilmen, Skulpturen und Video-Installationen. Zhang Xu Zhan baute Modelle von Luxushäusern oder gigantische Puppen aus Papier. Zu seinen Hauptwerken zählen seine im Stop-Motion-Verfahren gedrehten Filme, für die er filigrane Figuren und Landschaften aus Pappmaché fertigt. Zhang Xu Zhan schafft darin einen fantastischen Kosmos, der von Fabelwesen, singenden Tieren und Pflanzen und Naturgeistern bevölkert ist und von uralten Ritualen beherrscht wird - eine Welt, die apokalyptisch und märchenhaft zugleich ist.

Zhang Xu Zhan Video

Ausstellung im PalaisPopulaire, Berlin ab 15. September 2021 



„Artists of the Year“ der vergangenen Jahre

Caline Aoun 2018

1983 in Beirut geboren, gehört Aoun zu einer Generation junger libanesischen Künstler, die nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 im Ausland aufwuchsen und dort auch ihre Ausbildung absolvierten. Sie studierte in London am Central Saint Martins School of Art and Design und den Royal Academy Schools, um 2012 an der University of East London ihren Doktor in Bildender Kunst zu machen. Ursprünglich nutzte Aoun die Malerei als konzeptuelle Strategie, um den Medienbildern, denen sie ausgesetzt war, eine weitere Ebene medialer Vermittlung hinzuzufügen. Doch kurz nach ihrem Abschluss entschloss sie sich, die Malerei aufzugeben und begann mit Fotografie und digitalen Drucktechniken zu experimentieren.

Video   ArtMag

Kemang Wa Lehulere 2017

Eine unglaubliche Geschichte verbirgt sich hinter dem ersten Bild in Kemang Wa Lehuleres Ausstellung Bird Song. Es scheint, als habe der Künstler unter dem weißen Putz der KunstHalle das Fragment eines Wandgemäldes aufgespürt. Tatsächlich handelt es sich aber um die Reproduktion eines Bildes aus dem ehemaligen Haus von Gladys Mgudlandlu. Sie war die erste schwarze Künstlerin Südafrikas, deren Bilder in den 1960ern regelmäßig in Galerien ausgestellt wurden – trotz der Apartheid. Wegen ihrer Vorliebe für Vögel wurde sie auch „Bird Lady“ genannt. Doch Mgudlandlu Ruhm verging schnell. Als sie 1979 starb, zählte ihr Werk so wenig, dass die Wandbilder ganz einfach übermalt wurden.

Video   ArtMag

Basim Magdy 2016

Körperlose Stimmen sprechen von der Flüchtigkeit der Erinnerung. In der Stille der Wälder blicken uns Steinmonumente an, als wollten sie uns wissen lassen, dass sie uns alle überleben werden. Sie sind von einer verlaufenden Aura aus strahlender Farbe umgeben. Insekten gleiten über die Oberfläche eines Teiches und schwirren davon. Basim Magdys 2014 entstandener Film The Many Colors of the Sky Radiate Forgetfulness zieht den Betrachter in einen meditativen Sog aus Bildern, Klang und Text – und in eine Zeit, in der die Apokalypse scheinbar bereits stattgefunden hat. Die Natur holt sich ihr verlorenes Territorium zurück. Der Mensch ist bis auf einige Relikte schlichtweg vergessen. Und auch diese Überreste zeugen nicht von einer ruhmreichen Vergangenheit. Es sind Kriegsdenkmäler oder ausgestopfte Tiere – museale Objekte, die Schlachten, Tote und die Unterwerfung der Natur feiern.

Video   ArtMag

Koki Tanaka 2015

Der japanische Künstler Koki Tanaka bezieht sich auf die Geschichte des „Kunst-Aktivismus“ und bezeichnet seine Arbeit als eine sanfte, aber nachhaltige Annäherung an diese Bewegung. Seine Ausstellung als „Künstler des Jahres“ 2015 in der Deutsche Bank KunstHalle, A Vulnerable Narrator, gleicht einer Werkstatt, die Projekte, Ideen und Dokumente aus fast einem Jahrzehnt miteinander verknüpft. Sie dokumentiert den Weg von Tanakas frühen Experimenten mit Massenprodukten und Materialien bis zu seinen späteren Gemeinschaftsaktionen und Performances. Videos wie Everything Is Everything (2006) oder Walking Through (2009) erinnern an Versuchsreihen, in denen er Billigwaren aus Haushaltswarenläden und Baumärkten verschiedenen Tests unterwirft. Den 1975 geborenen Künstler interessiert die Frage, mit welcher Sensibilität und Offenheit wir vertraute alltägliche Dinge wahrnehmen und wie wir ein neues Verhältnis zu ihnen entwickeln können.

Video   ArtMag

Victor Man 2014

Victor Mans Gemälde wirken, als wären sie im Laufe der Jahrhunderte nachgedunkelt. Ihnen haftet etwas Sakrales an, wie Bildern oder Devotionalien, die im Dämmerlicht von Kapellen oder Kirchen hängen. In unserer aufgeklärten, medialisierten Welt, in der alles Oberfläche ist und die Dinge „ans Licht“ gebracht werden müssen, erscheinen sie wie aus der Zeit gefallen. Sie entführen den Betrachter in einen geheimnisvollen Kosmos, in dem sich im Schutz der Finsternis merkwürdige Metamorphosen vollziehen. Belebtes und Unbelebtes, Menschliches und Tierisches, Männliches und Weibliches sind in Mans Werk im ständigen Austausch und wie bei einem alchimistischen Prozess in der Verschmelzung begriffen.

Video   ArtMag

Imran Qureshi 2013

Es scheint, als hätten die überdimensionalen goldenen Ovale, die im zentralen Raum der Deutsche Bank KunstHalle hängen, die Blutfarbe aufgesogen. Im Inneren der Eiformen sprießen Blüten aus verschüttetem Rot. Wie durch feine Äderchen pulsiert das Rot über die Leinwände, tröpfelt, spritzt, fließt. Imran Qureshis Gemälde sind kalt und warm zugleich. Mit Blattgold überzogen strahlen sie eine fast sakrale Strenge aus. Sie hängen im Raum wie Ikonen. Doch in ihrem Inneren ist alles voller Bewegung, organisch, schmutzig, menschlich. Qureshis Arbeiten vermitteln beides – eine geradezu virale, anarchische Energie und extreme Kontrolle. Diese Spannung ist bestimmend für sein gesamtes aktuelles Werk. Sie bezeichnet einen ganz grundsätzlichen, realen Konflikt. Ordnung kann Klarheit und Ruhe schaffen, aber sie kann auch einengen und unterdrücken. Veränderung, Unruhe, Zerstörung sind das, was wir fürchten: Sie können in Gewalt, und Blutvergießen münden. Zugleich bilden sie die Grundlage für jeden schöpferischen Prozess, für die Entstehung von etwas Neuem.

Video   ArtMag

Roman Ondák 2012

Roman Ondák schärft unseren Blick für Konventionen und Hierarchien – sei dies im Kunstbetrieb oder in der Gesellschaft. Seine Installationen und Aktionen stellen die bestehenden Verhältnisse subtil, aber sehr bestimmt in Frage. Scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen, um so Ideen für die Gestaltung unserer Zukunft zu entwickeln, ist auch Ziel des Kunstengagements der Deutschen Bank. Deshalb werden mit der Auszeichnung „Künstler des Jahres“ Vertreter der internationalen Gegenwartskunst geehrt, die besondere Wege beschreiten. Der Fokus liegt dabei auf jüngeren Künstlern, in deren Oeuvre Arbeiten auf Papier oder Fotografie eine zentrale Rolle spielen. Nach der kenianischen Künstlerin Wangechi Mutu 2010 und der Marokkanerin Yto Barrada 2011 wird nun mit Roman Ondák einer der spannendsten
Protagonisten der osteuropäischen Szene als „Künstler des Jahres“ 2012 der Deutschen Bank ausgezeichnet. Die Entscheidung
für den 1966 in Žilina geborenen Künstler wurde auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council getroffen.
Zu dem Gremium zählen die renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Nancy Spector.

Video

Yto Barrada 2011

Ausgehend von der Situation in ihrer Heimatstadt Tanger, reflektiert die marokkanische Künstlerin, die sich permanent verschiebenden Grenzen Seit über einem Jahrzehnt setzt sich Yto Barrada intensiv mit den gesellschaftlichen Realitäten in ihrem Heimatland Marocco auseinander. Als „Künstlerin des Jahres“ der Deutschen Bank zeigte sie 2011 im Deutsche Guggenheim die Ausstellung Riffs. Nach der Premiere in Berlin gastierte die Schau im Brüsseler WIELS, in der Renaissance Society, Chicago, der IKON Gallery in Birmingham und im Museo d'arte contemporanea Roma (MACRO). 2013 endet die Ausstellungstournee im Fotomuseum Winterthur. In den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen ist der Künstlerin eine ganze Etage gewidmet.

Video   ArtMag

Wangechi Mutu 2010

Der Vorstellung, dass sie eine „afrikanische“ Künstlerin ist, die in ihrer Arbeit von der Kultur ihrer Heimat zehrt, setzt Mutu, die seit längerem in New York lebt, multiperspektivische Entwürfe entgegen. Wie viele „Diaspora-Künstler“ verbindet sie Elemente ihrer Heimatkultur mit der des Westens. Dieses Spannungsverhältnis ist ein zentrales Thema ihrer Arbeit.

Video